Caminito del Rey

Spektakulärer Wanderweg durch die Gaitanes Schlucht und das Valle de Hoyo in Südspanien

Ein schmaler Weg schmiegt sich in schwindelerregender Höhe an die steilen Felswände. Im 200m tiefen Abgrund glitzert das türkisblaue Wasser des Guadalhorce Flusses. Der Caminito del Rey galt lange Zeit als einer der gefährlichsten Wanderpfade der Welt. Zwischen den Orten Ardales und El Chorro in der Provinz Málaga in Andalusien gelegen, erstreckt er sich auf einer Gesamtlänge von 7,7 km durch die eindrucksvolle Landschaft der Gaitanes Schlucht und dem Valle de Hoyo („Grubental“). Rund 1,5 km des Wanderweges führen dabei direkt an den steilen Felswänden entlang. Der Rest der Strecke verläuft auf Wander- und Forstwegen (6,2 km inklusive den Zutrittswegen).

Erbaut wurde der „Königsweg“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Verbindungs- und Transportweg für das sich damals in Konstruktion befindliche Wasserkraftwerk. Jedoch wurde er aufgrund seiner Praktikabilität schnell Teil des täglichen Lebens der Bevölkerung von El Chorro und der umliegenden Dörfer. Menschen aller Altersklassen nutzten ihn über Jahrzehnte.

Witterungseinflüsse und vernachlässigte Instandhaltungsarbeiten ließen den geschichtsträchtigen Weg mit den Jahren jedoch zunehmend verfallen. Nach mehreren tödlichen Unglücken am damals nur mehr als Klettersteig begehbaren Pfad, sah sich die Lokalregierung 2001 gezwungen den Weg aufgrund seiner Gefährlichkeit zu sperren.

Im März 2015 wurde der Caminito del Rey nach umfangreichen Sanierungsarbeiten neu eröffnet. Innerhalb von 12 Monaten besuchten bereits rund 300.000 Menschen diesen spektakulären Weg. Zu Recht – die außen an die steilen Felswände der Schlucht angebrachten Wege sind atemberaubend. Die Ausblicke nach oben und unten sind phänomenal, die umgebende Landschaft ist außergewöhnlich.

Ich besuchte den Caminito del Rey im März 2016 am frühen Nachmittag bei Sonnenschein und milden Temperaturen. Mit rund 30 anderen Personen passierte ich das Kontrollhäuschen am Nordeingang Ardales, wo Eintrittstickets und Pass kontrolliert (für den Zutritt ist eine Voranmeldung erforderlich) sowie ein Helm (Tragen ist Pflicht) ausgegeben werden. Der starke Regen am Vormittag hatte scheinbar viele Menschen abgeschreckt zu kommen. Denn bis zu 50 Personen gleichzeitig wären maximal bei einen Einlass, der alle 30 Minuten stattfindet, erlaubt. Nach einer Sicherheitsbelehrung über das Verhalten am Weg darf alleine losmarschiert werden. Die gleichzeitig eingelassenen Menschen verteilten sich überraschend schnell.

Der erste Schluchtabschnitt ist rund 900m lang. Zu Beginn eher eng, verbreitert er sich schnell in ein breiteres „Tal“, wo es ein kleines Staubecken zu sehen gibt und der Zug auf der gegenüberliegenden Seite laut tütend durch die kleinen Bahntunnel hinaus und in den nächsten hinein fährt. Die alte, noch benutzte Zugstrecke verbindet Córdoba und Málaga seit 1866. Auf dessen Streckenabschnitt durch die Gaitanes Schlucht sind zahlreiche Tunnel, Brücken und Viadukte zu sehen.

Nach kurzweiligen 1,4 km auf einem Wald- und Forstweg, wo Bänke zum Verweilen und Pause machen einladen, folgt die zweite Schluchtpassage. Sie ist zwar mit 600m deutlich kürzer, dafür umso eindrucksvoller. Auf diesem Abschnitt liegen alter und neuer Camintio del Rey deutlich erkennbar übereinander. Die schier unglaubliche Höhe, in welcher dieser Weg von außen an den Felsen angebracht wurde, wird deutlich. Früher, als der zerfallende Weg nur noch als Klettersteig begehbar war, musste dieser zu unendlichen Adrenalin Räuschen geführt haben. Laut Berichten (und älteren Videoaufnahmen) war dieser ein wahrer Balanceakt über vereinzelt übriggebliebene Stahlträger.

Viele Betonplatten waren längst in den Abgrund gestürzt. Absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit war damals Voraussetzung und überlebenswichtig. Nun ist der Abgrund zwar ebenso nah, doch die Sanierungsarbeiten haben den Weg so gefahrlos wie möglich gemacht. Die Gehwege mit Geländer sind komplett neu an den Felsen angebracht, Stahlnetze (und verpflichtender Helm) schützen weitgehend vor Steinschlag. An den heikleren Stellen überwacht ein Aufsichtspersonal den Weg. Ich persönlich hatte keinerlei Sorgen um meine Sicherheit.

Konditionell ist der Caminito del Rey einfach zu meistern. Nur für Menschen mit Höhenangst kann der Caminito zur einer größeren Herausforderung werden. Mut wird vor allem beim Überqueren der Hängebrücke gegen Ende des zweiten Schluchtabschnitts gefordert. Danach schmiegt sich der Weg scheinbar noch enger an die Felswand, bevor er in eine Sandstraße übergeht. Diese führt zunächst zum abschließenden Kontrollpunkt und danach weiter zum Ort El Chorro.

Der Besuch des Caminito del Rey ist ein neues Highlight der Provinz Málaga und wird sich mit Garantie bald zu einem TouristInnenmagnet entwickeln. Mit nur ein klein wenig Kondition ist ein spannender Halbtagesausflug garantiert.

Wissenswertes über den Caminito del Rey:

Der Caminito del Rey ist seit kurzem ein Zielwanderweg (kein Rundwanderweg). Ein günstiger Shuttlebus ist zu den Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag in regelmäßigen Abständen zwischen dem Nordeingang (Ardales) und Südausgang (El Chorro) vorhanden. Der Zugang ist reglementiert und ab April 2016 (voraussichtlich) kostenpflichtig. Das Mindestalter für Kinder beträgt 8 Jahre. Kartenreservierung erfolgt über das Buchungsportal der Provinzregierung Málagas. Bei Eintritt ist das Vorzeigen der Reservierung sowie des Passes oder Personalausweises notwendig. Die Gesamtlänge beträgt 7,7 km (1,5 km oder 2,7 km Weg bis zum ersten Kontrollhäuschen beim Wasserkraftwerk Gaitanejo – 900m entlang des Felsens – 1,4 km Wald- und Forstweg, 600m entlang des Felsens – 3,3 km bis El Chorro und vorbei am zweiten Kontrollhäuschen). Die Wegzeit für die gesamte Strecke (inkl. Eintrittskontrolle) wird mit 3 bis 4 Stunden angegeben.

Detaillierte Informationen finden Sie auf der offiziellen Caminito del Rey Seite oder kurz zusammengefasst auf dem Reiseblog unserer Gastautorin Theresa von travelwoman.at

 

Redaktion
Autor: Redaktion
Tags
Südspanien