Schlafsack bei Minustemperaturen - worauf kommt es an?

Eine erholsame Nacht im Schlafsack? Dafür gilt es einiges zu beachten.

Nächte unter freiem Himmel sind vor allem beim Campen oder anderen Outdoor-Aktivitäten an der Tagesordnung, allerdings hält die Schlafenszeit nicht nur den Sternenhimmel bereit, sondern zeigt sich darüber hinaus meist auch kalt, wenn nicht gar mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Umso wichtiger, dass zu einem solchen Zweck die richtige Ausrüstung vorhanden ist, um der Kälte zu trotzen und nach Möglichkeit am kommenden Morgen frisch und erholt auszuschlafen. Eines der wohl wichtigsten Dinge, die auf solch einem Ausflug keinesfalls fehlen dürfen, ist daher der klassische Schlafsack, der für Wärme in der Nacht sorgt und gleichzeitig auch noch Behaglichkeit spendet. Doch wie so oft entscheidet auch hier die Qualität, denn Schlafschlack ist nicht gleich Schlafsack und wer zum falschen Produkt greift, könnte sich im Nachhinein ärgern. Einerseits können Schlafsack-Tests für einen ersten Überblick sorgen, so wie sie bei Schlafsack.net zu finden sind, andererseits schadet es allerdings auch nicht, selbst ein wenig zu recherchieren. Doch worauf kommt es bei einem Schlafsack wirklich an, damit ein Übernachten auch bei Minustemperaturen nicht zur Qual wird?

Wie wichtig ist die Wärmeleistung?

Ein paar Nächte im Freien verbringen und dabei zitternd im Zelt liegen? Diese Vorstellung ist für die meisten Outdoor-Freunde vermutlich weniger angenehm, tatsächlich kann es im schlimmsten Fall aber auch wirklich gefährlich werden, wenn die Wärmeleistung des Schlafsacks nicht ausreicht. Wer im Zelt schläft, der kann und sollte hier zunächst in jedem Fall zur Isomatte greifen, da diese bis zu 50 Prozent der Wärmeleistung bringt. Sie dient im Grunde als solide Basis und sollte sie zu dünn sein, so wird es meist selbst mit einem sehr guten Schlafsack schwer, der Kälte etwas entgegenzusetzen. Darüber hinaus bietet es sich außerdem an, den Schlafsack mit etwas Bedacht auszuwählen. So gibt es beispielsweise unterschiedliche Temperaturbereiche, auf die es beim Kauf zu achten gilt.

In der Regel werden bei Schlafsäcken der Komfortbereich und der Extrembereich angegeben. Zu beachten ist hierbei die ISO-Norm, wobei seit 2005 allerdings auch eine neue EN-Norm hinzugekommen ist. Beide Normen unterscheiden sich geringfügig, wie an folgenden Beispielen ersichtlich ist:

Normen
Normen

  • Extrembereiche

    Während der obere Extrembereich leicht dadurch umgangen werden kann, dass bei entsprechenden Temperaturen einfach der Schlafsack geöffnet wird, so kann es im unteren Extrembereich schnell gefährlich werden. Die Angabe gibt hier den maximalen Erfrierungsschutz an, bei noch kälteren Temperaturen sollte der Schlafsack also nicht mehr verwendet werden. Eine gesundheitsschädigende Unterkühlung kann demnach durchaus eintreten, wobei dies auch von der individuellen körperlichen Verfassung des Nutzers sowie dessen Erfahrung abhängt.

  • Grenzbereich

    Abseits dieser beiden Extreme ist jedoch hauptsächlich der Grenzbereich auschlaggebend, denn er gibt den empfohlenen Einsatzbereich an. Der Körper hat nun die Möglichkeit, sich bestmöglich zu erholen, die Hauttemperatur auf einem gesunden Level zu halten und gleichzeitig ein angenehmes Schlafklima zu schaffen. In dieser Hinsicht sollten Nutzer jedoch auch bedenken, dass Einflüsse wie Kälte auf jeden Menschen anders wirken – während der eine also vielleicht an Kälte gewöhnt ist und daher problemlos mit geringen Gradzahlen zurechtkommt, so benötigt ein anderer ein paar Grad mehr, um sich wohl zu fühlen. Die EN-Norm hält aus diesem Grund verschiedene Werte für Männer und Frauen bereit, wodurch die Angaben etwas realer als bei der alten ISO-Norm ausfallen. Je nach Kälteempfinden kann es also nichts schaden, vorsichtshalber ein paar Grad mehr einzuplanen, andererseits sollte hier aber auch nicht übertrieben werden – denn je wärmer der Schlafsack, desto schwerer wird er, das Packmaß erhöht sich und natürlich steigt auch der Preis.

Die Form und der Einsatzort

Unterschieden wird außerdem auch zwischen verschiedenen Schlafsackmodellen, die vor allem aufgrund ihrer Form einen jeweils anderen Zweck erfüllen. Die wohl wichtigsten Vertreter sind:

  • 1. Der Mumienschlafsack

    Dieser Schlafsack sollte vor allem dann gewählt werden, wenn auch Faktoren wie das Gewicht und das Packmaß neben der Wärmeleistung relevant sind. Dank seines körpernahen Schnitts sorgt er für maximale Wärmeleistung, andererseits finden viele Menschen ihn aber gerade deshalb unangenehm beengend.

  • 2. Der Deckenschlafsack

    Dieser Schlafsack wird auch als Rechteckschlafsack bezeichnet und lässt sich bei Bedarf vollständig zu einer Decke öffnen. Aus diesem Grund findet er jedoch hauptsächlich im Indoor-Bereich Verwendung. Bewegungsfreiheit und viel Platz werden hier zwar geboten, so warm wie ein Mumienschlafsack ist dieses Modell jedoch längst nicht.

  • 3. Der eiförmige Schlafsack

    Im Grunde unterscheidet sich diese Variante kaum vom Mumienschlafsack, lediglich die Hüft- und Kniebereiche sind ein wenig breiter. Die Bewegungsfreiheit wird so erweitert und ist vergleichbar mit dem Deckenschlafsack, während die Wärmeleistung zwar besser ist, aber nicht ganz das Niveau des Mumienschlafsacks erreicht.

  • 4. Kinderschlafsack

    Ein Kind mag zwar problemlos in einen normalen Erwachsenenschlafsack hineinpassen, besser ist es jedoch, wenn hier zu einem richtigen Produkt für Kinder gegriffen wird. Denn zwar kann die Länge abgebunden werden, doch gerade die deutlich größere Breite wird dafür sorgen, dass Kinder hier so gut wie immer frieren.

Das Füllmaterial

Damit ein Schlafsack möglichst warmhält, ist das Füllmaterial neben dem Schnitt und der Größe entscheidend. Grundsätzlich wird hier zwischen Daunen und Kunstfaser unterschieden, wobei beide ihre Vor- und Nachteile haben.

wandern.com Tabelle
Füllmaterial

Isoliermatte und weiteres

Wie bereits oben kurz angeschnitten, sollte es allerdings nicht nur bei einem Schlafsack bleiben, zumal die Temperaturangaben eines Schlafsacks stets in Verbindung mit einer sehr guten Isoliermatten ermittelt werden. Wer also darauf verzichtet, sieht sich nicht nur mit anderen Werten konfrontiert, sondern muss auch damit rechnen, dass es sehr viel kälter wird. Das liegt daran, dass ein Schlafsack zum Boden hin einfach so gut wie gar nicht isoliert, denn die Schicht des Schlafsacks wird durch den Körper praktisch komplett zusammengedrückt.

Abschließende Tipps für einen erholsamen Schlaf im Schlafsack

  • Das Gerücht „nackt ist es im Schlafsack am wärmsten“ hält sich hartnäckig – tatsächlich ist jedoch leichte, trockene Schlafbekleidung optimal.
  • Ein Schlafsack übernimmt nicht die Funktion des Heizens, sondern isoliert lediglich. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, bereits in völlig durchgefrorenem Zustand hineinzuschlüpfen. Stattdessen sollte sich vorher aufgewärmt werden, damit überhaupt Körperwärme zum Isolieren vorhanden ist.
  • Der Mensch verliert sehr viel Wärme über den Kopf, die Kapuze sollte daher bei Kälte in jedem Fall zugezogen werden.

Abbildung: pixabay.com © Hans (CC0 1.0)