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Im Morgengrauen ins Gamsrevier

FRÜH AUF FÜR EIN TOLLES ERLEBNIS

Ende November, der Wecker läutet. Um 4.45 Uhr muss man aus dem Bett, will man im Morgengrauen ins Gamsrevier.

Warmer Kakao und Müsli bringen Leben in meinen Körper. Einen Mantel zum Draufsetzen, Fernglas und Spektiv pack ich in den Rucksack. Die Sterne am Himmel verkünden einen herrlichen Tag. In der Allee zur Villa Sonnwend huschen im Scheinwerferlicht zwei Rehe vorbei, die nach den letzten Kastanien suchen. Um 6 Uhr treffen Familie Perner mit ihren 2 Buben und das Ehepaar Lutzke ein.

Gams beobachten/ Foto: Nationalparkbetrieb der BundesforsteKurz überprüfe ich die Wanderausrüstung: Gute Wanderschuhe, etwas zu trinken, Regenbekleidung, was Warmes zum Darunterziehen, Handschuhe und Haube. Ich verteile einige Ferngläser und wir fahren noch eine Viertelstunde Richtung Sengsengebirge, hinein in den Nationalpark Kalkalpen.

Ab jetzt heißt es ruhig sein. Die ersten zwei Kilometer wandern wir entlang einer Forststraße. Rasch gewöhnen sich unsere Augen an die Dunkelheit. Nur schemenhaft heben sich die ersten Bergrücken aus der Nacht. Wir erleben das traumhafte Erwachen der Natur. Auf einem Pirschsteig wandern wir im Wald bergauf.

Gedeckt von Bäumen, ziehen wir uns kurz vor dem Hochstand zum Sitzen noch warm an. Die Spannung steigt. Werden wir tatsächlich Gamswild in Ruhe beobachten können? Voller Erwartung setzen sich einige von uns in den Hochstand, die anderen am Boden gleich daneben. Die ersten Sonnenstrahlen blitzen in die Berghänge.

Gämsen/ Foto: Nationalparkbetrieb der BundesforsteÜber uns liegt auf den Freiflächen bereits Schnee. Mit den Guckern suchen wir die Felswände ab. Plötzlich entdeckt Herr Perner die erste Gämse. Das schwarze Fell absorbiert die wärmenden Sonnenstrahlen besonders gut. Alle können mit 30facher Vergrößerung den etwa 10-jährigen Gamsbock beobachten. Unermüdlich scharrt er die 10 cm dicke Schneeschicht weg, um an Gras und Kräuter zu gelangen. Gämsen sind wahre Überlebenskünstler.

Viel näher tauchen weitere 6 Gämsen auf. 2 Geißen mit Kitzen und 2 Jahrlinge. Die Kitze spielen im Fels, als wäre der Schnee eine zusätzliche Herausforderung für ihre Kletterkünste. Ein unmissverständlicher Blick der Leitgeiß zeigt einem Jahrling, dass sie den besten Äsungsplatz besetzt.

Es knackst im Jungwald. Nur 70 Meter vor uns zieht ein Spießhirsch auf die Lichtung. Eine besondere Belohnung für unser ruhiges Verhalten. Ganz gemütlich zieht er durch das Tal und wir können ihn noch zehn Minuten lang beobachten. Langsam wird uns kalt und wir gehen zurück in den Wald, nehmen einen Schluck Tee und pirschen weiter. In einem zweiten Bergtal können wir weitere elf Gämsen beobachten. Wir wollen nicht stören; ruhig ziehen wir uns nach einer Weile zurück.

Zufrieden blicken wir auf die herrliche Bergwelt im Nationalpark Kalkalpen und fahren zurück zum Treffpunkt. Dort wartet schon ein Gabelfrühstück auf uns. Gamssuppe, genau passend zu den frühwinterlichen Temperaturen. Wir tauschen unsere Beobachtungen aus und reden noch ein wenig über die Lebensweise, Sprache und Rangordnung der ca. 1000 Gämsen im Nationalpark Kalkalpen.

Wanderberichte - Text und Fotos: Ing. Bernhard Sulzbacher, ÖBf Nationalparkförster

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