Vom Parkplatz beim Lucknerhaus (Kals am
Großglockner) wandern wir über sonnenbeschienene
blühende Bergwiesen bis hinauf zur Glorerhütte am Berger
Törl, 2.642 m. Wer dem Tag mehr Erlebniswert verleihen will,
der kann den wesentlich attraktiveren Hüttenanstieg über
die Lucknerhütte und die Medelscharte wählen. Die 1 1/2
Stunden Mehraufwand lohnen sich auf jeden Fall. Der abenteuerliche
Weg führt durch steile Felshänge (einige Stellen sind mit
Stahlseilen gesichert) und bietet dabei ständig einen
großartigen Blick auf den höchsten Berg Österreichs,
den Großglockner.
2. TAG
Von der Glorerhütte wandern wir zuerst
leicht absteigend um das Kasteneck herum bis zum
Peischlachtörl, 2.490 m. Von dort gelangen wir auf dem
markierten „Fritz-Senders-Weg“ hinauf bis zum
Tschadinsattel und erreichen zuletzt über unschwierige
Blockhalden den Gipfel vom Bösen Weibl, 3.121 m, wo man einen
prachtvollen Rundblick genießen kann — Dreitausender,
wohin das Auge auch schaut. Über den NO-Hang steigen wir
hinunter zum Kesselkeessattel, 2.926 m, wo sich die
Gernot-Röhr-Biwakschachtel befindet — ein idealer
Zufluchtsort bei einem Schlechtwetter-Einbruch. Der folgende rund 3
km lange Abstieg am „Wiener Höhenweg“ bis zur
Elberfelder Hütte, 2.346 m, ist dann nur mehr ein genussvoller
Ausklang. Nach diesem ausgefüllten Tag schmeckt das Essen in
der Hütte doppelt gut und die Nachtruhe bringt einen tiefen,
erholsamen Schlaf.
3. TAG
Bei dieser eher geruhsamen Etappe steht kein
hoher Gipfel am Programm. Ein großartiges Landschaftserlebnis
ist aber der Übergang über die Gößnitzscharte,
2.737 m, zur Lienzer Hütte. Der Weg verläuft zuerst
unterhalb der mächtig aufragenden Felsgestalten der
Klammerköpfe auf Schuttfeldern und Gletscherresten bis zur
Scharte, wo das Gelände von rundgeschliffenen Felszonen
geprägt ist. Etwas oberhalb davon steht das kleine
Gößnitz- Biwak-Hüttl, ein willkommener Unterstand
bei einem Wettersturz. Mit jedem Höhenmeter, den man weiter
hinunterwandert, wird die Landschaft grüner und bei der
Lienzer Hütte, 1.977 m, angekommen, sind die
blumenübersäten Almmatten und letzten alten
Lärchenbäume an der Waldgrenze des Debanttales eine wahre
Augenweide. Die große Hütte lässt keinen Komfort
vermissen und für den Rest des Tages, bietet der nur 10
Minuten entfernte Klettergarten doch noch etwas
„Action“.
4. TAG
Gut ausgeruht kann nun der nächste
Wander-Dreitausender in Angriff genommen werden. Nach einem 2 1/2-
stündigen Aufstieg zur Mirnitzscharte, 2.743 m, geht es zuerst
150 Höhenmeter hinunter zu einem Steig, der über eine
Felsstufe zum schattig gelegenen Barrenlesee hinaufführt. Von
dort gelangen wir über eine weitere Steilstufe in die westl.
Barreneckscharte und zuletzt über einen mäßig
geneigten, steinbeladenen Rücken bis auf den Gipfel des Hohen
Prijakt, 3.064 m. Hier sind wir besonders stolz, weil dieser Berg,
von allen anderen Seiten betrachtet, unglaublich abweisend
aussieht. Der Abstieg auf dem steinigen, treppenartigen Steig
erfordert noch etwas Vorsicht, bis wir nach dieser anstrengenden
Tagesetappe endlich in die Geborgenheit der Hochschoberhütte,
2.322 m, eintauchen können. Ein kräftiges Essen und eine
behagliche Schlafstätte empfinden wir nach einem solchen
Gipfelsieg als echte Belohnung.
5. TAG
Übers Leibnitztörl marschieren wir
vorbei am malerisch gelegenen Gartlsee und nehmen den Steig hinauf
zum Schobertörl, 2.905 m. Am Törl angekommen, sind es nur
mehr 150 Höhenmeter auf einem steinigen Rücken bis hinauf
zum Gipfelkreuz vom Debantgrat, 3.055 m – womit der dritte
Dreitausender in dieser Bergwoche gelungen wäre. Der folgende
Abstieg ins Ralftal zur Lesachalmhütte beginnt mit einer
Querung oberhalb des Moränenrandes vom kleinen Schoberkees. In
der Folge wandern wir auf einem markierten Steig durch das ganze
Tal hinaus, bis wir unterhalb der Waldgrenze die Almzone erreichen.
Von den zahlreichen Hütten, die sich dort befinden, ist nur
die private Lesachalmhütte, 1.828 m, als Jausenstation
bewirtschaftet. Sie bietet auch die
Übernachtungsmöglichkeit für die zufriedenen
Bergsteiger, die diese lange Tagesetappe im Nahbereich des
Hochschobers bewältigt haben.
6.TAG
Zum Abschluss der Hochschober-Runde verbleibt
nur mehr die 3 1/2-stündige Wanderung über den Lesacher-
Riegel (vorbei an der Lesach-Riegel-Hütte, 2.120 m)
zurück zum Lucknerhaus. Der Ausblick auf die Bergriesen der
Schobergruppe und zum nahen Großglockner ist atemberaubend. Da
bleibt man immer wieder stehen und muss sich zusammennehmen, um
nicht Unmengen von Fotos zu schießen. Wer noch 2 1/2 Stunden
zusätzlich Zeit hat, der sollte noch den Abstecher auf die
Schönleitenspitze, 2.810 m, einplanen. Von dort genießt
man einen unvergleichlichen Panorama-Rundblick über mehr als
100 Dreitausender von Osttirol. Zusammenfassend kann gesagt werden,
dass wohl jeder, der diese 6-tägige Hochschoberrunde mit drei
schönen Dreitausendergipfeln bewältigt hat, noch lange
von den starken Eindrücken zehren wird.