Hochschoberrunde II - 6 Tage

Hochschoberrunde II © Osttirol Werbung

1. TAG

Vom Parkplatz Seichenbrunn im Debanttal (oder evtl. auch von der Roaner Alm) wandern wir zuerst hinauf zur Wangenitzseehütte, 2.508 m. Nach einer ausgiebigen Stärkung steigen wir noch aufs 3.283 m hohe Petzeck – also gleich zu Beginn auf den höchsten Gipfel der Schobergruppe. Dabei gibt es keinerlei technische Schwierigkeiten. Nur die Waden werden anständig gefordert. Nach dem Abstieg haben wir uns eine kräftige Mahlzeit redlich verdient. Mit der Hüttenruhe in der Wangenitzseehütte haben wir dann wohl kein Problem, denn die Müdigkeit fordert bestimmt ihren Tribut.

2. TAG

Über die Hohe Gradenscharte, 2.803 m, wechseln wir hinüber ins Nachbartal zur Adolf-Noßberger-Hütte am Gradensee, 2.488 m. Von der Scharte führt der Abstieg über eine steile, meist schneegefüllte Rinne (Stahlseile vorhanden). Bei Hartschnee ist ein Eispickel absolut von Nutzen. Noch vor Erreichen dieser Scharte kommen wir am Südgrat vom Hohen Perschitzkopf, 3.125 m, vorbei. Falls das Wetter passt und die Tour des Vortages nicht zu sehr in den Knochen steckt, lohnt sich der 1-stündige Aufstieg am 300 m hohen Grat allemal. Die Kletterei ist nicht schwierig (I), vergleichbar mit dem Gang auf einer sehr steilen Stiege. Geübte können hier wohl auf eine Seilsicherung verzichten. Trotzdem ist Vorsicht angebracht, insbesondere beim Abstieg, der am gleichen Weg erfolgt. Die einsam undsehr schön gelegene Noßberger-Hütte gewährt uns Unterschlupf für die kommende Nacht. Sie ist Tankstelle für die verlorene Flüssigkeit und eine deftige Mahlzeit bringt die Kalorien wieder zurück.

3. TAG

Weil die Strecke, die an diesem Tag zurückzulegen ist, nur etwa 4 Stunden in Anspruch nimmt, können wir evtl. nach dem Frühstück zuerst auf den unschwierigen Keeskopf, 3.081 m, wandern, bevor wir über die Klammerscharte oder die Hornscharte zur Elberfelder Hütte ins Gößnitztal hinüberwechseln. Da die Überschreitung dieser beiden Scharten bei Hartschnee oder ausgeapertem Gletschereis schwierig sein kann (Eispickel unbedingt erforderlich), haben wir sowieso ein Seil mit dabei. Beim Übergang über die Klammerscharte wäre dann – als Alternative zum Keeskopf – auch der Südgrat auf den Großen Hornkopf, 3.251 m, ein Thema, mit Überschreitung des Kl. Hornkopfes. Der Grat bietet schöne Kletterei auf gutem Fels (II). Tadelloses Wetter und gute Kondition sind natürlich Voraussetzung für die Bewältigung einer solchen Fleißaufgabe. Danach ist die Einkehr in der Elberfelder Hütte eine einzige Wohltat.

4. TAG

Der zweithöchste Gipfel der Schobergruppe, der Rote Knopf, 3.281 m, steht nun auf unserer Wunschliste. Mehr als 900 Höhenmeter sind da zu bewältigen. Der Normalanstieg entlang des SO-Grates ist ziemlich steil. Da ist bei etwaigen Hartschneefeldern ein Eispickel von Vorteil - besonders im Frühsommer. Im obersten Abschnitt ist schließlich eine Felsrampe mit Kletterstellen zu überwinden (Seilsicherung empfehlenswert, I-II). Der Abstieg erfolgt am besten am gleichen Weg - mit dem kleinen Nachteil, dass wir nun von der Elberfelder Hütte noch einmal einen 1 1/2-stündigen sanften Gegenanstieg zur Gößnitzscharte, 2.737 m, haben. Der restliche Abstieg zur Lienzer Hütte, 1.977 m, die an der Waldgrenze liegt, ist nur noch ein einziger Landschaftsgenuss. Nach dieser langen, anstrengenden Etappe lässt es sich in der komfortablen Hütte gut wohnen. Die Kräfte müssen schnell regeneriert werden, weil für den nächsten Tag der Hochschober am Programm steht.

5. TAG

Wer den Roten Knopf bereits abgehakt hat, wird auch mit dem bekanntesten Berg der Schobergruppe, dem Hochschober, 3.240 m, keine Probleme haben. Die Waden sind für den 4 1/2 stündigen Aufstieg über die Ostflanke inzwischen kräftig genug und wenn das Wetter mitspielt, wird die Überschreitung dieses Paradegipfels zu einem außergewöhlichen Erlebnis. Einen Eispickel muß man sowieso dabei haben, ein Seil sollte auch im Rucksack sein, für den Fall, dass die Verhältnisse nicht ganz ideal sind – denn es gibt schon die eine oder andere leichte Kletterstelle (I). Der Abstieg über den Westgrat ist im steilsten Stück teilweise mit Stahlseilen abgesichert. Von der Staniskascharte (evtl. noch Abstecher auf die Leibnitzer Rotspitze, 3.101 m, möglich, 1/2 Std.) führt dann ein markierter Steig bis zur Hochschoberhütte, 2.322 m. Dort können wir auf die großen Gipfelsiege der vergangenen fünf Tage anstoßen und noch einmal richtig ausschlafen.

6. TAG

Als Ausklang für diese außergewöhnliche Bergwoche verbleibt nurmehr die geruhsame Wanderstrecke zurück ins Debanttal bis zum Parkplatz Seichenbrunn. Übers Leibnitztörl, 2.591 m, gelangen wir hinab zur Lienzer Hütte, wo wir eine gemütliche Zwischenrast einlegen, bevor wir noch ein letztes Stündchen talauswärts marschieren. Zu der „Hochschoberrunde II“ ist abschließend noch anzumerken, dass dies eine Maximalvariante ist, die nur von wirklich konditionsstarken Bergsteigern während einer durchgehenden Schönwetterperiode zu schaffen ist — am besten in Begleitung eines erfahrenen Bergführers. Wenn dabei wegen unsicherem Wetter der eine oder andere Gipfel nicht erreicht werden kann, so ist das kein Nachteil — denn bei diesem „Gewaltprogramm“ ist ein zwischendurch eingeschalteter Rasttag unter Umständen recht angenehm.

Quelle: Nationalpark Hohe Tauern Osttirol
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