Vom Parkplatz Seichenbrunn im Debanttal (oder
evtl. auch von der Roaner Alm) wandern wir zuerst hinauf zur
Wangenitzseehütte, 2.508 m. Nach einer ausgiebigen
Stärkung steigen wir noch aufs 3.283 m hohe Petzeck –
also gleich zu Beginn auf den höchsten Gipfel der
Schobergruppe. Dabei gibt es keinerlei technische Schwierigkeiten.
Nur die Waden werden anständig gefordert. Nach dem Abstieg
haben wir uns eine kräftige Mahlzeit redlich verdient. Mit der
Hüttenruhe in der Wangenitzseehütte haben wir dann wohl
kein Problem, denn die Müdigkeit fordert bestimmt ihren
Tribut.
2. TAG
Über die Hohe Gradenscharte, 2.803 m,
wechseln wir hinüber ins Nachbartal zur
Adolf-Noßberger-Hütte am Gradensee, 2.488 m. Von der
Scharte führt der Abstieg über eine steile, meist
schneegefüllte Rinne (Stahlseile vorhanden). Bei Hartschnee
ist ein Eispickel absolut von Nutzen. Noch vor Erreichen dieser
Scharte kommen wir am Südgrat vom Hohen Perschitzkopf, 3.125
m, vorbei. Falls das Wetter passt und die Tour des Vortages nicht
zu sehr in den Knochen steckt, lohnt sich der 1-stündige
Aufstieg am 300 m hohen Grat allemal. Die Kletterei ist nicht
schwierig (I), vergleichbar mit dem Gang auf einer sehr steilen
Stiege. Geübte können hier wohl auf eine Seilsicherung
verzichten. Trotzdem ist Vorsicht angebracht, insbesondere beim
Abstieg, der am gleichen Weg erfolgt. Die einsam undsehr schön
gelegene Noßberger-Hütte gewährt uns Unterschlupf
für die kommende Nacht. Sie ist Tankstelle für die
verlorene Flüssigkeit und eine deftige Mahlzeit bringt die
Kalorien wieder zurück.
3. TAG
Weil die Strecke, die an diesem Tag
zurückzulegen ist, nur etwa 4 Stunden in Anspruch nimmt,
können wir evtl. nach dem Frühstück zuerst auf den
unschwierigen Keeskopf, 3.081 m, wandern, bevor wir über die
Klammerscharte oder die Hornscharte zur Elberfelder Hütte ins
Gößnitztal hinüberwechseln. Da die
Überschreitung dieser beiden Scharten bei Hartschnee oder
ausgeapertem Gletschereis schwierig sein kann (Eispickel unbedingt
erforderlich), haben wir sowieso ein Seil mit dabei. Beim
Übergang über die Klammerscharte wäre dann –
als Alternative zum Keeskopf – auch der Südgrat auf den
Großen Hornkopf, 3.251 m, ein Thema, mit Überschreitung
des Kl. Hornkopfes. Der Grat bietet schöne Kletterei auf gutem
Fels (II). Tadelloses Wetter und gute Kondition sind natürlich
Voraussetzung für die Bewältigung einer solchen
Fleißaufgabe. Danach ist die Einkehr in der Elberfelder
Hütte eine einzige Wohltat.
4. TAG
Der zweithöchste Gipfel der Schobergruppe,
der Rote Knopf, 3.281 m, steht nun auf unserer Wunschliste. Mehr
als 900 Höhenmeter sind da zu bewältigen. Der
Normalanstieg entlang des SO-Grates ist ziemlich steil. Da ist bei
etwaigen Hartschneefeldern ein Eispickel von Vorteil - besonders im
Frühsommer. Im obersten Abschnitt ist schließlich eine
Felsrampe mit Kletterstellen zu überwinden (Seilsicherung
empfehlenswert, I-II). Der Abstieg erfolgt am besten am gleichen
Weg - mit dem kleinen Nachteil, dass wir nun von der Elberfelder
Hütte noch einmal einen 1 1/2-stündigen sanften
Gegenanstieg zur Gößnitzscharte, 2.737 m, haben. Der
restliche Abstieg zur Lienzer Hütte, 1.977 m, die an der
Waldgrenze liegt, ist nur noch ein einziger Landschaftsgenuss. Nach
dieser langen, anstrengenden Etappe lässt es sich in der
komfortablen Hütte gut wohnen. Die Kräfte müssen
schnell regeneriert werden, weil für den nächsten Tag der
Hochschober am Programm steht.
5. TAG
Wer den Roten Knopf bereits abgehakt hat, wird
auch mit dem bekanntesten Berg der Schobergruppe, dem Hochschober,
3.240 m, keine Probleme haben. Die Waden sind für den 4 1/2
stündigen Aufstieg über die Ostflanke inzwischen
kräftig genug und wenn das Wetter mitspielt, wird die
Überschreitung dieses Paradegipfels zu einem
außergewöhlichen Erlebnis. Einen Eispickel muß man
sowieso dabei haben, ein Seil sollte auch im Rucksack sein,
für den Fall, dass die Verhältnisse nicht ganz ideal sind
– denn es gibt schon die eine oder andere leichte
Kletterstelle (I). Der Abstieg über den Westgrat ist im
steilsten Stück teilweise mit Stahlseilen abgesichert. Von der
Staniskascharte (evtl. noch Abstecher auf die Leibnitzer Rotspitze,
3.101 m, möglich, 1/2 Std.) führt dann ein markierter
Steig bis zur Hochschoberhütte, 2.322 m. Dort können wir
auf die großen Gipfelsiege der vergangenen fünf Tage
anstoßen und noch einmal richtig ausschlafen.
6. TAG
Als Ausklang für diese
außergewöhnliche Bergwoche verbleibt nurmehr die
geruhsame Wanderstrecke zurück ins Debanttal bis zum Parkplatz
Seichenbrunn. Übers Leibnitztörl, 2.591 m, gelangen wir
hinab zur Lienzer Hütte, wo wir eine gemütliche
Zwischenrast einlegen, bevor wir noch ein letztes Stündchen
talauswärts marschieren. Zu der „Hochschoberrunde
II“ ist abschließend noch anzumerken, dass dies eine
Maximalvariante ist, die nur von wirklich konditionsstarken
Bergsteigern während einer durchgehenden
Schönwetterperiode zu schaffen ist — am besten in
Begleitung eines erfahrenen Bergführers. Wenn dabei wegen
unsicherem Wetter der eine oder andere Gipfel nicht erreicht werden
kann, so ist das kein Nachteil — denn bei diesem
„Gewaltprogramm“ ist ein zwischendurch eingeschalteter
Rasttag unter Umständen recht angenehm.