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Damit wir das Schareck auch tatsächlich
erreichen, müssen wir ausdauernd wandern und Bergerfahrung
besitzen. Wollen wir es uns gemütlicher machen, gehen wir
einfach ein Stück von Gipfel zu Gipfel Richtung Schareck. Von
Mauterndorf bringt uns die Bergbahn schnell und bequem Richtung
Großeck. Zwischen Speiereck und Hollerberg, der sich links von
uns erstreckt, liegt ein Sattel, von dem eine Sage folgendes
erzählt: Im 18. Jahrhundert ging dort zur kalten Jahreszeit
ein Kind verloren, das auf wundersame Weise ohne Nahrung und nur
mit einem Hemdchen bekleidet wohlbehalten gefunden und seinen
Eltern wieder zurückgebracht wurde. Ein Votivbild auf einer
uralten Lärche am Sattel legt beredtes Zeugnis davon ab. Eine
kleine Wanderung, die wir später unternehmen könnten,
würde uns auf diesen Übergang zwischen Mauterndorf und
St. Michael, wo sich das Bild befindet, führen.
Von der Bergstation steigen wir entweder direkt über einen
Rücken auf den Kleinen Lanschütz hinauf, oder wir gehen
nach Süden durch Bergwald zur Sonnenalm und weiter zur
Peterbauernalm. Nun wandern wir auf breitem Weg über weite
Almen mit viel Wacholder und einer Mischung aus Almrausch, Preisel-
und Rauschbeere durch letzte Lärchen- und
Fichtengrüppchen hinauf. Im Norden sehen wir
großflächige Weiden und etwas Wald, im Süden
eröffnet sich ein herrliches Bergpanorama. Tief unten im
nördlich von uns gelegenen Tal, fließt der Trogbach,
welcher nahe Mauterndorf ein ganz besonderes, idyllisches, einsames
Plätzchen geschaffen hat- die Frauenhöhle. Der Sage nach
versteckten sich hier während der Türkeneinfälle die
Frauen der Umgebung solange, bis die Eindringlinge wieder
abzogen.
Einige kleinere Teiche und Paragleiter-Startplätze hinter uns
lassend, marschieren wir Richtung Bergstation eines weiteren
Liftes. Dort nehmen wir einen Steig, der uns über steilere
Serpentinen rasch zum Gipfel des Speierecks bringt. Wir befinden
uns jetzt auf Hochalmen, die hier durch kurzrasige, endlose Wiesen,
kleine Seen und nicht zu steiles Gelände charakterisiert sind.
Im Süden erblicken wir tief im Tal die großen,
landschaftlich reizvollen Mur-Mäandern.
Über einen welligen Rücken wandern wir auf den
Großen Lanschütz, an der Abzweigung zur Großeckbahn
vorbei. Auf riesigen Weiden bedeckt oft ein dichter Flechtenteppich
den Boden, sodass bei jedem Schritt ein krachendes Geräusch
entsteht. Schöne Gesteinsstrukturen und stark plattiger Fels,
ebenfalls von Flechten bewachsen, wechseln mit den Almflächen
ab. Manchmal treffen wir auf kleine Polsterpflanzen. Jetzt wird es
für den botanisch Interessierten spannend, denn die
farbenprächtige Alpenaster wächst hier! Sie sticht aus
der Umgebung durch ihre außen tiefvioletten und innen
goldgelben Blütenblätter hervor. Der starke Kontrast
erhöht die Attraktivität für Insekten. Die Umgebung,
in der die Alpenaster wächst, müssen wir besonders genau
unter die Lupe nehmen, da sie oft zusammen mit dem Edelweiß
vorkommt. Beiderseits des Rückens können wir
Almhüttchen aus der Vogelperspektive erkennen.
Das sanft geneigte Almgelände wird zu einem immer steileren,
felsdurchsetzten und schuttreichen Grat, je weiter wir nach Norden
gehen. Einmal eben, dann steiler hinauf, geht es an einer Scharte
und der Abzweigung eines aufgelassenen Weges vorbei weiter. Der
abwechslungsreiche Steig führt über steile
Wiesenhänge, Schutthalden, Blockwerk und an Felsbändern
und türmen vorbei. Polsterpflanzen werden immer
häufiger.
Der Weg ist auch ideal für Gipfelsammler, denn wir erklimmen
jetzt nacheinander das Schareck, die Lapernigspitze und das
Vierteleck. Hier oben dürfen wir nicht erschrecken, wenn
plötzlich etwas Großes, Weißes, Langhaariges mit
mächtigen, gebogenen Hörnern von senkrechten Felsen auf
uns herabschaut - denn es ist nur eine Ziege. Hausziegen turnen am
Grat wie Steinböcke mit unglaublicher Behendigkeit herum.
Gleichzeitig sollten wir aber den Blick auf unseren Pfad nicht
vergessen, denn hier sonnen sich manchmal Kreuzottern. Es gibt
hellbraune, dunkelbraune, fast schwarze und seltener rötliche
Tiere. Eine dunkle Kreuzotter wird „Höllenotter"
genannt. Die Kreuzotter lebt bis in 3000 m Höhe. Sie
überwintert unter Steinen, in Erdlöchern und unter
Baumstrünken, an günstigen Stellen oft zusammen mit
verschiedenen Amphibienarten und anderen Reptilien. Sie jagt fast
ausschließlich Mäuse, je nach Lebensraum auch
Grasfrösche oder Bergeidechsen. Noch Anfang des 20.
Jahrhunderts wurden in Teilen Deutschlands Kopfprämien
für jede „erlegte" Kreuzotter bezahlt. In der freien
Natur ist die Schlange aber meist längst geflüchtet, wenn
wir uns nähern. Nur wenn wir sie gewollt oder unabsichtlich -
überraschen, können wir sie beobachten. Natürlich
müssen wir vorsichtig sein und sollten nicht zu nahe
hingehen.
Tolle Aussichten in grünerlenreiche Täler, mit
romantischen Almen und Bergbauernhöfen ermöglichen uns
mehrere Scharten. Etwa ab den Kämpenköpfln erfordert der
Pfad Trittsicherheit und man muss auf den Verlauf achten. Dann
zieht unser Steig steiler hinauf auf den Gipfel des Scharecks. Wenn
wir besondere Glückspilze sind, entdecken wir einen
Gänsegeier am Himmel. Er ist auffällig groß,
erscheint hellbraun, besitzt eine helle Halskrause und hat lange,
breite, eher rechteckig wirkende Flügel. Sein Schwanz wirkt
fast gerade abgeschnitten. Er kreist majestätisch meist in
größeren Höhen und ist dadurch leicht beobachtbar.
Die Gänsegeier, die regelmäßig in den Salzburger
Alpen beobachtet werden können, sind bei uns
übersommernde Vögel aus Kroatien.
Quelle: LUNGAU - Wandern und Natur erleben, Ferienregion
Lungau
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