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Zuerst wandern wir, wie in der Wanderung "Von
Bundschuh nach St. Margarethen" beschrieben, auf die Bonner
Hütte. Dann wandern wir über ganze Almregionen, die uns
zahlreiche, moosbewachsene Quellfluren, Feuchtgebiete und
Bächlein, viel Wacholder und Besenheide,
Latschenbestände, Lärchen-Fichten-Gruppen mit viel
Heidel- und Preiselbeeren und manchmal dicht mit
Zwergsträuchern bedeckte Weiden bieten. Mit viel Glück
lässt sich ein Alpenschneehase erblicken. Er ist im Sommer
grauer als der bekanntere Feldhase, hat außerdem deutlich
kürzere Ohren und ist im Winterkleid ganz weiß mit
schwarzen Ohrspitzen. Sein Lebensraum sind Wälder, Wiesen,
Weiden und der Latschengürtel ab 1200 m. Ein putziger
Geselle!
An romantischen alten Almhütten vorbei, geht es bis zu einem
Schild „Überquerung zur Dr. Josef-Mehrl-Hütte". Auf
einer Forststraße durch Gelände, auf dem noch
Schwendhaufen (durch das Entbuschen der Almweiden wird ein
Zuwachsen der Almen verhindert) und viele kleine Wiesenhöcker
(entstanden durch die Sensenmahd) sichtbar sind, hinauf, bis man
bei einer Weggabelung geradeaus Richtung Laußnitzsee geht. In
einem Graben, bei einer Holzbrücke nach links und in einer
mosaikartig, aus weitläufigen Almen und stark
lärchenbetonten, totholzreichen Wäldern zusammengesetzten
Landschaft, an einem romantischen Bergsee mit einer alten
Hütte vorbei an die Waldgrenze. Jetzt nehmen wir den vom See
nach links hinauf führenden Pfad auf die Schwarzwand, vorbei
an einer etwas oberhalb des Sees stehenden Hinweistafel. Wir
steigen über herrliche, riesige Weideflächen auf einen
Grat hinauf und lassen einzelne Zirben im Lärchen-Fichten-Wald
und einsame Wetterfichten hinter uns. Am teils flechtenbedeckten
Grat über weite Viehweiden, vorbei an vielen kleinen, in hohen
Tönen rufenden Wasserpiepern steigen wir hinauf zum
höchsten Punkt.
Im Süden sehen wir den Kärntner Nationalpark Nockberge,
der 1986 wegen geplanter Großerschließungen
gegründet worden ist. Charakteristisch für dieses Gebiet
sind sanfte Landschaftsformen, wie sie die rasenbedeckten, runden
„Nockn" darstellen. Diese besondere geomorphologische
Ausprägung ist durch die Mannigfaltigkeit der Gesteine, die
erdgeschichtlich im oftmaligen Wechsel von Meer zu Land entstanden
sind, bedingt. Auf den Gipfeln der Nockberge, die einst
unvergletscherte Inseln, so genannte Nunatakker, in der vereisten
Landschaft bildeten, haben einige Insektenarten die gesamte Eiszeit
überdauert. Da diese Gipfel weit voneinander entfernt waren,
gab es keinen Genaustausch zwischen den isolierten Populationen.
Dadurch entstanden während der langen Kälteperiode neue
Arten, die nur auf diesen Gipfeln vorkommen, so genannte endemische
Arten. Solche Insekten gibt es im Nockgebiet auffällig
viele.
Nachdem uns ein Rücken sanft nach unten
geführt hat, tut sich uns ein herrlicher Blick auf. Im Westen
riesige, meist ebene Almflächen mit Sümpfen, Lacken und
Moorbereichen, im Osten in einem Kar inmitten ausgedehnter Weiden
viele schöne Seen, oberhalb einer Geländekante taucht
auch der Anderlesee auf. Wir folgen dem deutlich sichtbaren
Fußweg, der am Ostufer des Anderlesees verläuft, nach
Süden flach hinüber zu einem Gipfelkreuz. Jetzt geht es
auf die Gaipahöhe, von deren Gipfel wir eine herrliche
Aussicht ins Weißbachtal haben, an dessen Talschluss die
Morawetzeralm liegt. Typisch für die Nockberge sind bis zu 300
Jahre alte, wunderschöne Almhütten. Sie sind in
Blockbauweise aus großen Fichten- und Lärchenstämmen
errichtet. In abgelegenen, kargen Gebieten, hatten die Gebäude
bis ins 19. Jahrhundert nur eine offene Feuerstelle ohne Kamin und
bestanden aus einem Raum. Die einzige Decke dieses Raumes war das
Dach, durch dessen Ritzen Rauch abzog. Die auffällig kleinen
Fenster sind auf das Problem der Statik zurückzuführen,
da ein Fensterstock noch nicht verwendet wurde.
Im Abstieg führt uns der kleine, aber gut sichtbare Steig in
einen fast völlig vegetationslosen Sattel, in dem die Flora
dem ständig wehenden Wind nicht trotzen konnte. Von hier zieht
ein landschaftlich sehr schönes Kar hinunter, in dem eine
Senke mit Quellfluren, vielen Feuchtflächen und großen
Weiden liegt, die erfrischend grün heraufleuchtet. Hindurch
schlängelt sich ein gut sichtbarer Pfad, der von Bundschuh
durch das Weißbachtal heraufführt. Nun auf gut markiertem
Steig über teils schüttere Vegetationsbereiche leicht
bergan, den hügeligen Grat entlang zum Gipfel der
Zechnerhöhe. Über windabgeblasene Flächen in
höher gelegenen Regionen wandern wir der
Dr.-Josef-Mehrl-Hütte entgegen. Jetzt folgen wir Holzbohlen
durch einen anmoorigen, von Feuchtflächen umgebenen Bereich
und erreichen dann in einem kleinen Sattel einen Schlepplift. Nach
einem letzten Gegenanstieg stehen wir auf der
Dr.-Josef-Mehrl-Hütten-Höhe.
Von nun an geht's bergab. Der Steig geht zuerst einem Weidezaun
entlang und dann nach Südwesten. Am Kamm steigen wir gerade
hinunter bis zur Baumgrenze, wo wir den Boden unter unseren
Füßen genau betrachten müssen - wir befinden uns
hier plötzlich auf Kalk, nicht mehr auf Urgestein! Umgeben von
wunderschönen, lockeren Zirben-Lärchen-Wäldern,
wandern wir teilweise steil in Serpentinen talwärts. Dann
nimmt uns auf sanft abfallendem Pfad ein herrlicher, fast
völlig reiner Zirbenwald mit vielen urtümlichen,
romantischen alten Bäumen und viel Jungwuchs auf. Bald stehen
wir vor der Dr.-Josef-Mehrl-Hütte. Neben der Hütte
befindet sich auch ein Gasthof.
Quelle: LUNGAU - Wandern und Natur erleben, Ferienregion
Lungau
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