WĂ€rmende Mittelschicht: Daunen- oder SynthetikfĂŒllung?

In den letzten drei Monaten haben wir jeweils drei Jacken mit DaunenfĂŒllung und mit einer synthetischen PrimaloftÂź FĂŒllung getestet. Die Jacken sollen sich v.a. als wĂ€rmende mittlere Kleidungsschicht bewĂ€hren, bei geeigneter Wetterlage auch durchaus als Ă€ußerste Schicht einsetzbar sein.

Frau im Winter

Die Test-Kandidaten

Daunenjacken

PrimaLoftÂź Jacken

Der Test - Praxistauglichkeit und Bewertung der Daunenjacken

Das Mircolight Jacket von Rab zeichnet sich durch sein extrem niedriges Leichtgewicht aus. Mit nur 408 g in HerrengrĂ¶ĂŸe XL ist die Rab Jacke knapp die leichteste Daunenjacke im Test. Sie ist mit einer 90-10 er Daunenmischung mit fillpower 750 (nach US-Methode) gefĂŒllt, die in nur 4 cm breite Kammern verteilt . Dadurch wird eine ungleichmĂ€ĂŸige Verteilung der Daunen wirkungsvoll unterbunden. In GrĂ¶ĂŸe L beinhaltet die Jacke eine absolute FĂŒllmenge von 125 g europĂ€ischer GĂ€nsedaunen. Die Jacke ist mit zwei seitlichen RV-HandwĂ€rmetaschen ausgestattet, die mit geschlossenem RucksackhĂŒftgurt gut erreichbar sind. Auf der Brust hat das Herrenmodell noch eine weitere RV-Tasche (das sonst baugleiche Damenmodell hat diese Tasche nicht). Der Kragen schließt angenehm eng und lĂ€sst keine KĂ€lte eindringen, ebenso verhĂ€lt es sich mit den elastischen, gut sitzenden ÄrmelbĂŒndchen. Auch der Front-RV, der innen mit einer 18 mm breiten Abdeckleiste hinterfĂŒttert ist, gibt der KĂ€lte keine Chance. Insgesamt ist das Rab Microlight Jacket eine sehr luftige, zugleich aber gut isolierende Daunenjacke, die sich gut zum Wandern eignet.

Die zweite Daunenjacke im Test ist das Arete Jacket von Mountain Equipment. Diese Jacke ist mit einem Gewicht von 484 g in DamengrĂ¶ĂŸe XL die schwerste Jacke im Test. GefĂŒllt ist das Arete Jacket mit 150 g (GrĂ¶ĂŸe L) chinesischen Entendaunen in einem MischungsverhĂ€ltnis von 90% Daune zu 10% Federn und mit einer Bauschkraft von 675+ (EU-Methode). Auch die Kammern des Arete Jackets sind mit 4 cm angenehm eng und halten die DaunenfĂŒllung zuverlĂ€ssig an Ort und Stelle. Die beiden RV-Außentaschen sind selbst mit geschlossenem RucksackhĂŒftgurt noch gut erreichbar und sorgen rasch fĂŒr warme HĂ€nde. Ansonsten ist das Arete Jacket noch mit einer Kombi-Innentasche ausgestattet, die zum einen aus einer nach oben offenen gerĂ€umigen Tasche besteht, zum anderen aber auch noch ein kleines RV-Fach aufweist. Der Kragen schließt angenehm eng, ohne einzuschrĂ€nken. Der Front-RV ist mit einer großzĂŒgigen 20 mm breiten Innenabdeckleiste versehen, so das auch hier keine KĂ€lte eindringen kann. Die ÄrmelbĂŒndchen sind elastisch und verhindern ebenfalls zuverlĂ€ssig das Eindringen kalter Luft.

Die dritte Daunenjacke im Test ist das Nitro Jacket von Montane.Diese Jacke ist in punkto DaunenqualitĂ€t die hochwertigste Jacke im Test, denn hier kommt eine 93% Daunen zu 7% Federn Mischung zum Einsatz. Zudem weisen die 150 g (GrĂ¶ĂŸe L) DaunenfĂŒllmenge eine hervorragende Bauschkraft von 800+ (US Methode) auf. Mit diesen Werten ist die Jacke absolut alpintauglich und fĂŒr einen Einsatz in einem „normalen“ deutschen Winter vielleicht sogar etwas â€žĂŒberdimensioniert“. Allerdings ĂŒberzeugt die mit 6 cm breiten Kammer versehene Jacke auch mit gut zugĂ€nglichen RV-Seitentaschen, dicht schließendem Kragen und eng anliegenden, aber nicht einschneidenden ÄrmelbĂŒndchen.

Der Test - Praxistauglichkeit und Bewertung der PrimaLoftÂź Jacken

Alternativ zur DaunenfĂŒllung gibt es immer hĂ€ufiger auch KleidungsstĂŒcke mit synthetischen FĂŒllungen. Eine davon ist „PrimaLoft¼“, eine 100% Polyester Kunstfaser, die sich durch besonders hohe Isolationseigenschaften auszeichnet. Diese wird durch ultrafeine Fasern erreicht, die eine Struktur mit eingeschlossenen Luftkammern bilden und so die KörperwĂ€rme „einfangen“. Der große Vorteil gegenĂŒber Daune ist, dass PrimaLoftÂź eine hohe OberflĂ€chenspannung besitzt und dadurch hochgradig wasserabstoßend ist. ZusĂ€tzliche Behandlung der Fasern macht das Material auch stark hydrophob. Somit bleibt die Isolation von PrimaLoftÂź Produkten selbst bei leichter Feuchtigkeit erhalten, da die zur WĂ€rmespeicherung wichtigen Luftkammern nicht durch eindringendes Wasser zerstört werden. NatĂŒrlich sind reine PrimaLoftÂź Produkte nicht als NĂ€sseschutzschicht konzipiert (sieht man von gefĂŒtterten Hardshells ab, die aber hier nicht zur Diskussion stehen). GerĂ€t man mit einer PrimaLoftÂź Jacke in einen Regenschauer, so ist die Isolation noch immer weitgehend gewĂ€hrleistet, wĂ€hrend sie in einer durchnĂ€ssten Daunenjacke deutlich reduziert wird. Erst hydrophob beschichtete, allerdings deutlich teurere, DaunenfĂŒllungen können auch bei NĂ€sse mit der WĂ€rmeleistung von SynthetikfĂŒllungen wie PrimaLoftÂź mithalten. Im Trockenen sind synthetische FĂŒllstoffe wie PrimaLoftÂź aber einer qualitativ hochwertigen DaunenfĂŒllung in punkto Isolationsleistung unterlegen.

Die erste Testjacke mit PrimaLoftÂź FĂŒllung ist das Destivelle Jacket von Lafuma. Diese Jacke ist die am dicksten gefĂŒtterte Jacke in der PrimaLoftÂź Kategorie. Dadurch eignet sie sich nicht nur als mittlere WĂ€rmeschicht, sondern bei geeigneter Wetterlage auch als Ă€ußerste Kleidungsschicht. Die Ausstattung mit einer Kapuze unterstreicht diesen Einsatzbereich, auch wenn sich die Kapuze leider nicht regulieren lĂ€sst und dadurch beim Drehen des Kopfes die Sicht versperrt. Die Jacke bietet 2 seitliche RV-HandwĂ€rmetaschen, die man auch bei geschlossenem RucksackhĂŒftgurt noch gut erreicht. Eine Innentasche vervollstĂ€ndigt die Ausstattung. Als IsolationsfĂŒllung kommt PrimaLoftÂź Sport zum Einsatz, das in 7 cm breiten Kammern verteilt ist. Allerdings nicht an den Seiten der Jacke, die aus dehnbarem und hoch atmungsaktivem Stretchmaterial gefertigt sind. Die elastischen ÄrmelbĂŒndchen schließen gut, ohne einzuengen und geben der KĂ€lte keine Chance einzudringen. Dazu trĂ€gt auch die 18 mm breite innere Abdeckleiste des Front-RV bei. Die Jacke kann ĂŒbrigens im mitgelieferten Packbeutel verstaut werden. Insgesamt bietet das Destivelle Jacket mollige WĂ€rme und gute Bewegungsfreiheit.

PrimaLoftÂź Sport kommt auch beim Norrona Lyngen Primaloft 60 Jacket zum Einsatz und zwar mit einer MaterialstĂ€rke von 60g/m2. Das trĂ€gt zur unglaublichen Leichtgewichtigkeit der Jacke bei, die dennoch eine sehr gute WĂ€rmeleistung bietet. Sie eignet sich besonders gut als Midlayer, kann aber bei geeignetem Wetter auch als Ă€ußere Kleidungsschicht zum Einsatz kommen. Die Jacke ist komplett mit PrimaLoftÂź gefĂŒllt. In den beiden seitlichen RV-Taschen werden kalte HĂ€nde rasch wieder warm. Sie können auch bei geschlossenem RucksackhĂŒftgurt genutzt werden. Wer die Jacke eng verpacken möchte, kann sie in eine dieser Seitentaschen verstauen. Eine zusĂ€tzliche RV-Außentasche an der Brust bietet zusĂ€tzlichen Stauraum fĂŒr Kleinigkeiten. Der Kragen schließt angenehm hoch und ist auf der Innenseite mit einem Microfleecefutter belegt, was den Hals zusĂ€tzlich warm hĂ€lt. Der Front-RV ist mit einer 18 mm breiten Innenabdeckleiste hinterlegt. Dadurch kann hier keine KĂ€lte eindringen. Auch an den eng anliegenden elastischen ÄrmelbĂŒndchen bleibt alles warm. Die Jacke hat keine Kammern, sondern ist nur durch wenige durchgehende NĂ€hte in großflĂ€chige Bereiche unterteilt.

Beim Berghaus Ignite Hybrid Hoody Jacket handelt es sich ebenfalls um eine mit PrimaLoftÂź gefĂŒtterte Jacke, allerdings kommt hier die etwas hochwertigere PrimaLoftÂź One FĂŒllung zum Einsatz. Die von uns getestete Jacke war das Hybridmodell mit Kapuze. Es weist lediglich im Frontbereich und am RĂŒcken PrimaLoftÂź auf, ansonsten besteht es aus herrlich dehnbarem Stretchgewebe. Allerdings gibt es das Berghaus Ignite Jacket auch als PrimaLoftÂź Volljacke und auch ohne Kapuze. Die lĂ€sst sich leider nicht regulieren, sitzt aber relativ gut, so dass beim Drehen des Kopfes das Gesichtsfeld kaum eingeschrĂ€nkt wird. Ausgestattet ist die Berghaus Jacke mit 2 seitlichen RV-Taschen, die auch mit RucksackhĂŒftgurt gut zu erreichen sind. ZusĂ€tzlich gibt es eine RV-Brusttasche. Die ÄrmelbĂŒndchen liegen eng an und sind etwas verlĂ€ngert und mit Daumenöffnungen versehen. Nutzt man diese, so bleibt etwa die HĂ€lfte der Hand im Schutz des JackenĂ€rmels. Die Jacke ist in der von uns getesteten Hybridvariante eine ideale mittlere Kleidungsschicht. Als PrimaLoftÂź Volljacke kann man das Produkt bei trockenem Wetter auch als Ă€ußere Schicht nutzen. Im Praxiseinsatz hat sich das Ignite Jacket aber sehr gut als Midlayer bewĂ€hrt. Dazu trĂ€gt u.a. auch die 25 mm breite innere Abdeckleiste bei, die den Front-RV nach innen gegen das Eindringen von KĂ€lte isoliert. Auch das recht niedrige Gewicht macht diese Jacke zu einem idealen Begleiter auf der Winterwanderung.

Was Sie ĂŒber Daunen wissen sollten

Herkunft der Daunen

Daunenjacken haben eine sehr lange Tradition und sind auch in der modernen AusrĂŒstungswelt fĂŒr OutdooraktivitĂ€ten fest etabliert. Mittlerweile wird deutlich mehr Wert auf eine ethisch vertretbare Daunenproduktion gelegt. Nach Angaben des International Down and Feather Laboratory (IDFL) fallen 99% der Daunen für Kleidungsstücke heutzutage als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie an. Das IDFL Siegel „Down Codex“ bekommen nur Produkte aus einwandfreier Produktion - von der Tierhaltung bis zur Aufbereitung der Daune.

QualitÀt der Daunenmischung

Wichtig ist besonders das MischungsverhĂ€ltnis von Daunen und Federn. Je niedriger der Federanteil, umso hochwertiger die Mischung und höher die Isolationsleistung. Ein Mindestanteil an Federn ist zur Stabilisierung der FĂŒllung notwendig. Spitzenmischungen haben 94% Daune und 6% Federn.

Bauschkraft (fillpower)

Neben der Mischung ist auch die Bauschkraft (fillpower) wichtig. Dieser Wert beschreibt, um welchen Rauminhalt sich eine in einem Zylinder komprimierte, vorgegebene Menge Daunen (US Methode: 28 g) innerhalb von 24 Stunden ausdehnt. Beim Vergleich der Bauschkraft-Werte ist es wichtig, auf die Messmethode zu achten. Die EU-Methode ergibt ca. 10% niedrigere Werte. Spitzenmischungen erreichen eine Bauschkraft von 800+ (US Methode).

PrimaLoftÂź

Auch bei den SynthetikfĂŒllungen gibt es Unterscheide, v.a. in der Isolationskraft. Alleine PrimaLoftÂź bietet mehrere verschiedene Fasern an (z.B. PrimaLoftÂź One, PrimaLoftÂź Sport, PrimaLoftÂź Eco). Daher sollte man je nach Einsatzzweck auch bei SynthetikfĂŒllungen die MaterialstĂ€rke vergleichen. Übrigens gibt es mit PrimaLoftÂź Eco auch eine SynthetikfĂŒllung, die zu 50% aus recyceltem Material (z.B. PETFlaschen) besteht und damit die Ressourcen schont und die Umwelt entlastet.

Pflege von Daunenprodukten

Ein sehr wichtiges Thema bei Daunenkleidung ist die korrekte Pflege. So sollte man zunĂ€chst Daunenkleidung luftig aufbewahren. Also bitte keinesfalls in den Packsack stopfen und liegen lassen, sondern optimalerweise im Schrank aufhĂ€ngen oder notfalls in einem gerĂ€umigen Sack ohne Kompression aufbewahren. Waschen bekommt Dauen nicht besonders gut, daher sollte man wirklich nur, wenn es notwendig ist, die gesamte Jacke waschen. Oft reicht es schon aus, nur die besonders verschmutzen Bereiche sanft auszuwaschen. Ist es dann doch nötig, das gesamte KleidungsstĂŒck zu waschen, gilt: Daunenkleidung muss schonend und relativ kalt gewaschen werden. Je nach Etikett wird mal der Schonwaschgang bei 30°C oder auch eine HandwĂ€sche empfohlen, man sollte diesen Anweisungen folgen. In der Maschine sollten Daunenjacken einzeln im Schon- oder Wollwaschgang gewaschen werden, da sie auch hier keinesfalls komprimiert werden sollten. Unbedingt flĂŒssiges Waschmittel, am besten Spezialdaunenwaschmittel (z.B. NikWax Down Wash) oder Grangers Downproof) und nie WeichspĂŒler verwenden. Die Waschmittelreste mĂŒssen komplett aus dem KleidungsstĂŒck ausgewaschen werden, daher sollte man mindestens 2 SpĂŒlgĂ€nge durchfĂŒhren. Schleudern vertragen v.a. nasse Daunen sehr schlecht, also allenfalls kurz und mit niedrigen Touren anschleudern. Entscheidet man sich fĂŒr die HandwĂ€sche, so ist auch hier Platz gefragt. Wenn man kein ausreichend großes Waschbecken hat, so kann man in die Duschwanne oder die Badewanne ausweichen. Wenn die eigentliche WĂ€sche durchgefĂŒhrt ist, gilt auch hier: ausreichend und grĂŒndlich spĂŒlen. Auswringen vertragen Daunen ebenso wenig wie Schleudern. Also am besten das nasse KleidungsstĂŒck einfach nur schwach ausdrĂŒcken. Die Trocknung erfolgt umgehend nach dem Waschen optimalerweise im Trockner. Dabei helfen einige TennisbĂ€lle, die mit der Jacke oder Hose in den Trockner kommen, dass sich die Daunen wieder aufbauschen und damit ihre volle Isolationswirkung entfalten können.